Erfahrungsbericht von Lisa Pilgram

(September 2011 -  Februar 2012)

„Aller Anfang ist schwer“, waren wohl meine Gedanken, als ich im Stockdunkeln auf der Toilette saß und mir eine Kakerlake über den Fuß lief. Natürlich war es im ersten Moment ungewohnt, als wir am 31.08.2011 abends in Tuba ankamen und weder Strom noch fließend Wasser hatten.

Doch diese Befürchtungen waren vollkommen unbegründet und bewahrheiteten sich, wie sich schon die nächsten Tage herausstellen sollte, überhaupt nicht. Muda, Hickma, Ayuba und Aziz kümmerten sich von Anfang an um uns und vor allem Linda machte uns den Anfang leicht. Sie wusste, was für uns Deutsche ungewöhnlich ist und erzählte uns vieles über die ghanaische Lebensweise. Und bei Muda bzw. den anderen Ghanaern fühlte man sich sofort willkommen.

Als die Kinder dann am Sonntag nach den Ferien anreisten, war die Spannung bei uns groß. Allerdings wurde diese nicht sonderlich belohnt, denn die Kinder hatten sich ja schließlich auch lange nicht gesehen und hatten sich eine Menge zu erzählen. Daher waren wir erst einmal uninteressant. Aber schon bald zeigte sich, wie offen und herzlich die Kleinen sind. Es baute sich recht schnell Vertrauen und Freundschaft zueinander auf und durch so ein freundliches Umfeld fiel es mir leicht, mich an die neuen Lebensumstände zu gewöhnen.

In der ersten Woche Crèche (ich gehörte zu den „Helping Hands“) machten wir schon Bekanntschaft zu vielen ghanaischen Eigenheiten. Im Gegensatz zum deutschen organisatorisch und vor allem zeitlich durchgeplanten Programm, sah man das alles in der Monika-Crèche, und überhaupt in Ghana, etwas lockerer. Unpünktlichkeit und Durcheinander war oft an der Tagesordnung, aber auch das lernte man zu schätzen und Spontanität war oft gefragt. Natürlich war man an manchen Tagen, wenn einfach überhaupt nichts in der Crèche klappte, frustriert. Nach einiger Zeit konnten wir die Kinder dort recht gut einschätzen und wussten, wie wir sie zum Mitmachen und zum Zuhören animieren konnten. Die schönste Zeit vom Tag war aber trotzdem die im Waisenhaus. Bei 23 Kindern hat man Zeit für jeden einzelnen und die Verständigung auf Englisch war problemlos.

Es gab in den 6 Monaten so viele schöne Erfahrungen, was die Zeit im Flug vergehen ließ. Es gab Geburtstagfeiern, da war Weihnachten, Besuche, Annas Seminar, unsere große Reise in den Norden und die zahlreichen Abende im Kerzenschein. Der letzte Monat kam viel schneller, als man es sich je hätte träumen lassen. Und plötzlich wurde klar, dass die Zeit bald zu Ende ging. Plötzlich hatte man noch so vieles geplant, so viele Ideen, so vieles noch zu erledigen und vor allem wollte ich noch so viel Zeit wie möglich mit den Kindern verbringen. Plötzlich stand unser Abschiedsfest vor der Tür und dann gings plötzlich wieder zurück nach Deutschland. Es war nicht einfach zu gehen, nachdem man 6 Monate Tag und Nacht miteinander verbracht hatte. Doch im Grunde wusste man ja, dass neue Freiwillige nachkommen, dass die Kinder weiterhin viel Spaß im „One Love Children’s Home“ haben werden und dass es durch Nima möglich ist, den Kontakt zu halten. Ich glaube, niemand konnte es so recht fassen, dass das halbe Jahr schon vorbei sein sollte und doch freute man sich auch auf zuhause, die Familie, die Freunde.

Ghana, Tuba und vor allem das One Love Children’s Home gehören jetzt irgendwie auch zu meinem Leben und ich denke, dass mich die Erfahrungen dort geprägt haben. Wenn ich davon erzähle oder Fotos zeige, muss ich leider immer feststellen, dass es so schwierig ist, von der schönen Zeit zu berichten. Ghana muss man einfach selbst erlebt haben!

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