sitzkreis

Fernweh habe ich heute noch

(Esther Ludwig September 2009 - März 2010)

 Die Zeit in dem Waisenhaus in Tuba war eine wunderbare und sehr erfüllte Zeit meines Lebens. Was ich bereue ist, dass ich nicht länger geblieben bin.

Meine Begeisterung für das Land, das Leben und die Arbeit in Afrika ist sehr schwer zu beschreiben (es sei denn ich würde ein ganzes Buch verfassen). Ich denke jeder der offen für eine neue Kultur ist, sehr freundlich aufgenommen und bewirtet wird und das bunte Leben der Einheimischen erlebt, der ist schnell „infiziert.“

Mit neunzehn Kindern wurde uns nie langweilig. Früh sind wir mit ihnen aufgestanden, damit alle pünktlich in die Schule oder Krippe kommen. Wenn die Kinder in der Schule waren haben wir das Haus auf Vordermann gebracht, aufgeräumt und geputzt.

Nach der Schule mussten dann noch einige Vorbereitungen von den Kindern für den nächsten Schultag getroffen werden wie Schuluniformen waschen, Hausaufgaben machen und lernen.

Im Anschluss durfte sich die Rasselbande austoben. Alle Kinder liebten das Fahrradfahren und Fußballspielen. Leider kam die freie Spielzeit manchmal etwas zu kurz, weil lange gelernt werden musste oder noch andere wichtige Angelegenheiten erledigt werden sollten, wie zum Beispiel ein Arztbesuch o.ä.

Noch vor dem Abendessen haben alle Kinder täglich geduscht, Aufgaben, wie zum Beispiel Pflanzen gießen oder Veranda fegen erledigt. Dann war es Zeit für den schönen Stuhlkreis. Dort hat immer ein großer Austausch zwischen zwei Kulturen stattgefunden. Wir haben uns gegenseitig neue Spiele und Lieder beigebracht, Beschwerden oder Anregungen für und über das Zusammenleben wurden geäußert und dadurch bewusst, welche Normen und Werte die jeweilige Kultur bzw. der Mensch bevorzugt. In dem Stuhlkreis wurden Geschichten erzählt, Geburtstage gefeiert und sehr viel gelacht.

In Sachen Organisation wie zum Beispiel Beschaffung von Lebensmitteln oder Handwerkern, Arztbesuche mit den Kindern machen, Lehrergesprächen zu führen oder einen Feiertag zu gestalten, mussten wir uns auch erst einfinden. Die Lebensmittel müssen früh genug angefordert werden und der Handwerker fünfmal beauftragt werden, wenn dieser dann endlich da war muss er noch dreimal bestellt werden, bis er seinen Auftrag wirklich erfüllt hat und alles wieder heile ist. Um dem Arzt vorgestellt zu werden muss man öfters am Tag in der Klinik aufkreuzen oder die Geduld aufbringen und sich zwei mal versetzen lassen. Die Lehrergespräche finden in der Pause oder während des Unterrichts statt, weil Überstunden nicht bezahlt werden und so auch keine gemacht werden. Bei Feiertagen kann es vorkommen, dass die Köchin spontan verreist ist oder man ein lebendiges Huhn geschenkt bekommt.

Wie man hier vielleicht heraus lesen kann, hatten  wir eine spannende und sehr abwechslungsreiche Zeit in Ghana.

Ganz toll war auch unsere hilfsbereite und liebenswerte Mitarbeiterin Hickma und unser Ansprechpartner Muda, der immer für uns da war, uns etwas aus der Stadt mitgebracht hat oder großes Interesse an Deutschland zeigte etc.

Die neunzehn Schützlinge sind uns sehr ans Herz gewachsen und ich hoffe, jeder der unsere Arbeit im Waisenhaus fortführen möchte, macht dies mit gutem Gewissen und voller Verantwortung.

 

 

Go to top